Erste Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja (55,1-3)
Evangelium nach Matthäus (14,13-21)
Die Brotvermehrung. Eine merkwürdige Erzählung. Wussten Sie, dass diese Erzählung in den Evangelien sechs Mal vorkommt? Für die Evangelisten muss sie also besonders wichtig gewesen sein. Welche Botschaft steckt dahinter? Was will diese Erzählung uns sagen? Vordergründig geht es um Brot und physischen Hunger. Aber es steckt mehr dahinter, eine tiefere Bedeutung. Jesus will uns hier etwas sagen.
Als Menschen sind wir immer, bewusst oder unbewusst, auf der Suche. Aber wonach? Wir verlangen z.B. danach, bestimmte Dinge zu besitzen und setzen unsere ganze Energie dafür ein, sie zu haben. Aber es dauert nicht lange und das Gefühl der Freude darüber sie zu besitzen, verschwindet. Wir sind schon wieder auf der Suche nach anderen Dingen.
Das ist nicht nur im materiellen Bereich so. Selbst in einer gelungenen Beziehung bleibt eine letzte Einsamkeit und Fremdheit. Alle Freude, alles Glück ist vorübergehend - weist aber weit über sich hinaus. Der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche, der ein Atheist war, hat einmal gesagt: „Doch alle Lust - alles Verlangen - will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit.“ Tief in uns ist ein Verlangen, ein Hunger, ein Durst nach Leben. Da sagt Jesus: „Wer Durst hat - Hört auf mich, dann werdet ihr leben!“ Jesus spricht unsere tiefsten Sehnsüchte an und behauptet sogar, sie erfüllen zu können.
Jesus nimmt Brot und „Er blickt auf zum Himmel.“ Was er tut, hat etwas mit dem „Himmel“, mit Gott zu tun. Mit fünf Broten und zwei Fischen macht Jesus eine ganze Menschenmenge satt. Zwölf Körbe bleiben übrig. Gott will Leben in Fülle, in Überfluss schenken.
Im Buch Deuteronomium (8,3) heißt es: "Der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund!" Und Jesus sagt anderswo: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer von diesem Brot isst, wird nie mehr Hunger haben.“
Von Meister Eckhart, einem der großen Mystiker des Mittelalters, stammt der Spruch: „Gott, du hast uns auf dich hin geschaffen und unruhig ist unser Herz, bis es seine Ruhe findet in dir.“ Bei Gott wird unsere tiefste Lebenssehnsucht gestillt, bei ihm finden wir unsere Ruhe, unsere letzte Erfüllung.
Haben wir diese Erfahrung schon gemacht? Stillt unser Glaube an Gott unseren Lebenshunger? Ist unser Vertrauen zu ihm so stark, dass wir eine innere Ruhe finden, einen inneren Frieden, eine Gelassenheit, eine innere Freude, die nicht zerstört werden kann durch die vielen Mängel in unserem Leben? Wir sind nun einmal Mängelwesen. Nur mit Gott, bei Gott, haben wir eine Zukunft, finden wir eine letzte Lebenserfüllung. Für diese Lebensüberzeugung, für diese Lebenshaltung will Jesus uns gewinnen.
Und er fügt noch etwas ganz Wichtiges hinzu: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Teilt eure geistige Nahrung mit den Menschen, die hungrig sind und Sehnsucht spüren. Auch wenn wir nur „fünf Brote und ein paar Fische“ haben! Jesus ist gekommen, um unseren Lebenshunger zu stillen und er nimmt uns dabei in Anspruch.